Ich mag Hello Kitty – mein Sohn auch

on

Hello Kitty. Ein Kätzchen, das die Welt spaltet. Ich liebe es – seit ich denken kann. Meine Verwandtschaft und Freunde wissen das und sind froh, dass sie nicht lange überlegen müssen, was sie mir zum Geburtstag schenken sollen. Alle sind zufrieden, alle finden es gut. Naja, was soll ich sagen, irgendwie ein Stück weit klar, dass meine beiden Rabauken “Hello Kitty” auch gut finden.

Als der Große in den Kindergarten kam, sind wir oft mit dem Fahrrad hin und zurück gefahren. Er hatte ein Hello Kitty-Schloß für sein Fahrrad. Das bekamen zwei  Kindergarten-Mädels mit und sofort kam ein Spruch nach dem anderen:

“Häää? Hello Kitty ist doch was für Mädchen!”
“Warum hast du ein Hello Kitty Fahrrad-Schloß?”
“Bist du ein Mädchen?”

Ich war echt fassungslos. Das Trotzbarometer war kurz vor’m Platzen und ich hätte am liebsten gesagt: “Klappe, ihr Rotzgören! Wieso ist Hello Kitty nur was für Mädchen? Das ergibt doch gar kein Sinn und ist eine absolut dumme Aussage, die sowohl politisch als auch gesellschaftlich verantwortungslos ist! Und es ist doch nur ein beschissenes Fahrradschloß!” Natürlich habe ich mich zurückgehalten und erklärt, dass es bei uns zu Hause keine Jungen- und Mädchensachen gibt. Jeder darf die Sachen gut finden, die er mag.
Abends, als der große Rabauke im Bett war, musste ich mich bei meinem Mann auslassen. Eigentlich war es keine große Sache, aber es hat mich trotzdem nachdenklich gemacht. Einerseits möchte ich, dass meine Kinder ihren eigenen Willen haben und sich von sowas nicht beeinflussen lassen, andererseits möchte ich natürlich auch nicht, dass meine Kinder von den anderen Kindern gemobbt werden und dann noch von uns Druck bekommen, das auszuhalten. Kennst du diese Zwickmühle?
Ich erinnerte mich, wie es mir früher ging. Während meiner Schullaufbahn, war ich sehr exotisch, was mein Klamottengeschmack anbelangte. Hauptsache bunt, flippig und wenn sich die Farben beißten – noch besser! Meine Eltern fanden es furchtbar, wie ich herumlief und sagten es mir jeden Tag. Es war ständig Thema bei uns. Aber mir war es einfach egal. Wurde ich von Mitschülern deshalb gehänselt:

“Wie siehst du denn aus?”
“Du trägst aber komische Klamotten!”

war meine Parade:

“Dein Problem!”
“Mir doch egal!”
“Deine Klamotten sind voll langweilig.”

Als ich am nächsten Abend den Großen ins Bett brachte, war es eine gute Gelegenheit, das Thema anzusprechen. Und auch um zu erfahren, wie er das sieht. Natürlich fand er es doof, was die Mädchen zu ihm gesagt hatten. Ich sagte ihm, dass ich das auch doof fand und erklärte ihm, dass er nichts falsch gemacht hatte. Ich erzählte, wie es früher bei mir war und sagte ihm, dass wir alle hinter ihm stehen. Wie er im Endeffekt im Kindergarten damit umgeht, wollte ich ihm überlassen – schließlich ist er es, der in den Kindergarten gehen muss.

Wir haben nicht mehr über das Thema gesprochen. Ich wollte das Ganze nicht aufbauschen und ihn nerven, so dass es kontraproduktiv wird. Ich entschloss mich ein Stück weit loszulassen und zu vertrauen. Zu Hause merkte ich, dass er Hello Kitty immer noch gut fand, gerne mit Filly-Pferden spielte, die in seinem Zimmer direkt neben Lego Star Wars und Rennautos lagen.

Monate später, nahm ich eine Kindergarten-Freundin mit zum Spielen nach Hause. Die beiden zogen sich in das Zimmer zurück und die Spielsachen wurden begutachtet. Als das Mädchen Hello Kitty-Sachen vorfand, kam der Spruch: “Findest du Hello Kitty gut? Das ist doch was für Mädchen.” Der Große antwortete: “Das ist mir egal. Ich find Hello Kitty gut.” Woaaaa, du glaubst gar nicht, wie stolz ich in dem Moment war! Seine Freundin war beeindruckt. Die beiden gehen mittlerweile zusammen in eine Klasse und spielen immer noch miteinander. Zu Beginn der Grundschulzeit hörte ich vom Großen noch ein-, zweimal, dass er auf Hello Kitty angesprochen wurde. Er erzählte mir dann ganz stolz, was er darauf geantwortet hatte. Mittlerweile ist es kein Thema mehr. Weder für ihn noch für seine Mitschüler. Ich bin erleichtert und stolz. Aber mir ist auch klar, dass es nicht immer so läuft. Wir hatten großes Glück, dass uns Arschloch-Kinder bisher erspart blieben. Ich habe schon ganz andere Geschichten gehört. Aber ich glaube, in solchen schlimmen Fällen ist es schon fast egal wie unsere Kinder reagieren.

Wie sind deine Erfahrungen? Was waren deine Situationen, wo du dich geärgert hast? (Unser Standard: Kleiner Rabauke mit rotem Pulli = Mädchen). Ist es bei Mädchen genauso? Teile es mir mit, ich freue mich!

Hat dir der Beitrag gefallen? Folge mir und teile ihn mit deinen Freunden:
Facebook
Instagram
Piterest
Piterest

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*